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E-Rechnungspflicht 2026: Welche KI-Tools B2B-Rechnungen im DACH-Raum automatisieren

Die E-Rechnungspflicht ist seit 1. Januar 2025 aktiv. Was Solo-Selbstständige und kleine Teams wirklich brauchen, welche Tools sie liefern, und wo KI echte Zeit spart. Stand April 2026 verifiziert.

10 min read2026-04-22Von Roland Hentschel
e-rechnungdeutschlanddachbuchhaltungxrechnungzugferd

Die Regel läuft schon#

Die E-Rechnungspflicht für inländische B2B-Umsätze ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten. Die meisten Freelancer behandeln das noch als Zukunftsthema. Ist es nicht. Seit Januar 2025 muss jedes deutsche Unternehmen, auch Kleinunternehmer, gesetzlich in der Lage sein, Rechnungen im strukturierten elektronischen Format nach EN 16931 zu empfangen. Die Ausstellung kommt gestaffelt bis 2028.

Dieser Post legt die echten Regeln offen, prüft was jedes wichtige deutsche Buchhaltungstool Stand April 2026 leisten kann und zu welchem Preis, und trennt die KI-Features mit echter Zeitersparnis von den Marketing-Bausteinen.

Alle Quellen stehen am Ende. Das ist keine Steuerberatung. Konkrete Fragen gehören zum Steuerberater.

Was eine E-Rechnung rechtlich ist#

Eine E-Rechnung im Sinne des deutschen Rechts ist kein PDF. Es ist eine Rechnung in einem strukturierten elektronischen Format, das der europäischen Norm EN 16931 entspricht. Das Format ist maschinenlesbares XML. Ein PDF mit Briefkopf ist keine rechtskonforme E-Rechnung, egal wie schön es aussieht.

Zwei Formate sind zulässig:

XRechnung: reines XML, keine visuelle Komponente. Standard für Rechnungen an öffentliche Auftraggeber (B2G), auch für B2B gültig.

ZUGFeRD 2.x: ein Hybrid — PDF/A-3 mit eingebettetem XML. Der Mensch liest das PDF, die Maschine liest das XML. Beides muss übereinstimmen. Wichtiges Detail: Die ZUGFeRD-Profile MINIMUM und BASIC-WL erfüllen die Anforderung des §14 UStG nicht. Nutzbar ist erst das Profil EN 16931 aufwärts. Hier scheitern viele Einsteiger-Tarife leise. Siehe sevDesk zu XRechnung vs. ZUGFeRD und der Scopevisio-Vergleich.

Der Zeitplan, konkret#

Verifiziert gegen die BMF-FAQ und den Übergangsplan bei eu-rechnung.de:

  • Seit 1. Januar 2025: Jedes deutsche Unternehmen (auch Kleinunternehmer) muss E-Rechnungen empfangen können. Ein E-Mail-Postfach ist rechtlich ausreichend.
  • 2025 und 2026: Papier- oder PDF-Versand bleibt möglich, aber nur mit Zustimmung des Empfängers.
  • Ab 1. Januar 2027: Papier oder PDF nur noch für Anbieter mit Vorjahresumsatz bis 800.000 Euro.
  • Ab 1. Januar 2028: volle Ausstellungspflicht für alle inländischen B2B-Umsätze.

Die Kleinunternehmer-Ausnahme, eingeführt über §34a UStDV im Zuge des Jahressteuergesetzes 2024, befreit Kleinunternehmer dauerhaft von der Ausstellungs-Pflicht, nicht von der Empfangs-Pflicht. Quellen: sevDesk zur Kleinunternehmer-E-Rechnung und ETL Regelungen für Kleinunternehmer.

B2C ist ausgenommen. Rechnungen an Endverbraucher unterliegen der Regel nicht und werden es auch nicht.

Das Empfangs-Minimum: ein E-Mail-Postfach#

Ein verbreiteter Mythos: man brauche Peppol oder kostenpflichtige Software, um E-Rechnungen rechtmäßig empfangen zu können. Stimmt nicht. Der Bundestag hat schriftlich bestätigt, dass ein gewöhnliches E-Mail-Postfach die gesetzliche Empfangs-Anforderung erfüllt. Was nicht geht: die Annahme einer E-Rechnung verweigern.

Praktisches Problem ist die andere Seite: Eine XRechnung als XML-Datei ist ohne Viewer visuell unlesbar. Kostenlose Optionen:

Ein Solo-Freelancer mit drei Eingangsrechnungen pro Monat fährt gut mit E-Mail plus Ultramarin. Wer mehr Volumen hat, wird ein Buchhaltungstool wollen, das E-Rechnungen automatisch holt und visualisiert.

Peppol ist kein Muss#

Peppol ist ein Transport-Netzwerk für strukturierte Geschäftsdokumente. Kein Format. Für deutsche B2B-Freelancer ist Peppol nicht verpflichtend — E-Mail reicht. Peppol wird vor allem im B2G in einigen Bundesländern wichtig und bei Unternehmen, die es auf Kundenwunsch nutzen. Der Accountable-Ratgeber zu Peppol für Freelancer und die offizielle deutsche Peppol-Seite sind die besten Einstiegspunkte.

Die Tools, die es tatsächlich können (Stand April 2026)#

Preise und Features auf den Anbieter-Preisseiten im April 2026 verifiziert. Der Vergleich fokussiert, was für DACH-Solo-Selbstständige und kleine Teams zählt: E-Rechnung empfangen, E-Rechnung versenden, echte KI-Features.

Lexware Office (ehemals lexoffice)#

  • Preis: S 7,90 EUR/Monat (nur Empfang), M 12,90 EUR (Empfang + Versand XRechnung und ZUGFeRD), L 21,90 EUR (volle Buchhaltung), XL 32,90 EUR. Quelle: Lexware-Preise.
  • E-Rechnung: volle Unterstützung für Erstellung von XRechnung und ZUGFeRD ab Tarif M. Empfang in jedem Tarif, auch S. Details auf der Lexware E-Rechnungs-Hilfeseite.
  • KI: Mobile-App-OCR für Belegerfassung (Foto → extrahierte Daten + Buchungsvorschlag). Lexware vermarktet das kaum als KI, technisch ist es OCR + ML-Klassifikation. Kein dedizierter Chatbot-Assistent Stand April 2026.

sevDesk#

  • Preis: Rechnung 11,90 EUR/Monat (oder 4,45 bei 24-Monats-Abo), Buchhaltung 25,90 (oder 9,95 bei 24 Monaten), Buchhaltung Pro 34,90 (oder 13,95). Quelle: sevDesk-Preise.
  • E-Rechnung: volle XRechnung- und ZUGFeRD-Funktionalität in den Paid-Tarifen. sevDesk E-Rechnung-Produktseite.
  • KI: "Sevi" ist ein In-App-KI-Assistent, den der Anbieter als 24/7-Hilfe vermarktet. Realer Output ist schmaler als das Marketing — zuverlässig bei App-Navigation, schwach bei konkreten Buchhaltungsfragen. Substanzielles KI-Feature: OCR-Belegerfassung plus automatische Kategorisierung ab Tarif Buchhaltung, das ist echte Zeitersparnis.
  • Peppol: für den Versand verfügbar, für den Empfang nicht eindeutig standardmäßig dokumentiert.

FastBill#

  • Preis (Jahresabrechnung): Solo 9 EUR/Monat, Plus 14, Pro 27 (3 Nutzer), Premium 53 (5 Nutzer). Quelle: FastBill-Preise.
  • E-Rechnung: XRechnung und ZUGFeRD in jedem Tarif inklusive Solo. Automatische Datenextraktion bei eingehendem ZUGFeRD ist Standard. Support-Artikel zum E-Rechnung-Erstellen.
  • KI: automatische Datenextraktion bei Eingangsrechnungen. Kein prominent vermarkteter Chatbot.

Billomat#

  • Preis (jährlich): Professional 19 EUR/Monat, Business 29, Enterprise 99 (5 Nutzer). Quelle: Billomat-Preise.
  • E-Rechnung: XRechnung und ZUGFeRD werden unterstützt.
  • KI: keine prominenten KI-Features Stand April 2026.

Kontist#

  • Preis: Free, Start 11 EUR/Monat, Plus 25. Quelle: Kontist Pricing.
  • E-Rechnung: Kontist ist vor allem Geschäftskonto mit integrierten Buchhaltungs-Features. PDF-Export ist gesichert. Ob vollständig EN-16931-konformes XRechnung oder ZUGFeRD als Ausgangsformat im Standardprodukt verfügbar ist, ist Stand April 2026 nicht eindeutig dokumentiert. Vor alleiniger Nutzung als E-Rechnungs-Ausstellungsquelle prüfen.
  • KI: die Echtzeit-Steuerreserven-Berechnung ist das Standout-Feature. Deterministische Logik, kein LLM, aber real nützlich für Selbstständige, die sonst zu viel vom Bruttoeingang verbrauchen.

DATEV Unternehmen Online + DATEV E-Rechnungsplattform#

Der Geheimtipp für alle mit Steuerberater auf DATEV-Stack.

  • DATEV Unternehmen Online: rund 11,28 EUR/Monat. Quelle: DATEV-Preisliste 2026.
  • DATEV E-Rechnungsplattform: bis 30. Juni 2026 komplett kostenfrei für Versand und Empfang. Ab 1. Juli 2026: Empfang bleibt kostenfrei unabhängig vom Übertragungsweg; Ausstellung 5 EUR pauschal pro Kalenderjahr; Versand aus Drittsystemen 0,50 EUR pro Ausgangsrechnung. Quelle: DATEV-Ankündigung.

Kostenfreier Dauer-Empfang ist unter den deutschen Tools in diesem Segment konkurrenzlos.

BuchhaltungsButler#

  • Preis: ab 24,95 EUR/Monat bei Jahresabrechnung. Quelle: BuchhaltungsButler-Preise.
  • KI: OCR + automatisches Matching Zahlung zu Rechnung. Anbieter nennt Automatisierungsquote bis 95 Prozent — Herstellerangabe, nicht unabhängig geprüft, aber das Tool ist in Summe stark bei Automatisierung für mittleres Volumen.
  • DATEV-Anbindung: direkt, typische Wahl für Freelancer, deren Steuerberater auf DATEV fährt.

Candis#

GetMyInvoices#

Kein Buchhaltungstool, sondern Rechnungs-Aggregator: Holt Belege automatisch aus 10.000+ Anbieter-Portalen (Amazon, Telekom, Hosting, PayPal) und exportiert an sevDesk, Lexware Office, DATEV oder BuchhaltungsButler. Quelle: GetMyInvoices Funktionen. Echter Zeitsparer für Nutzer mit vielen SaaS-Abos. Preise direkt beim Anbieter prüfen, die Preisseite war während der Recherche nicht zuverlässig erreichbar.

KI-Features: Substanz vs. Marketing#

Ehrliche Einordnung, was "KI" in deutschen Buchhaltungstools Stand 2026 wirklich leistet:

Echter Mehrwert:

  • Foto-zu-Daten OCR mit Buchungsvorschlag (ausgereift, spart Minuten pro Beleg).
  • Automatisches Matching eingehender Zahlungen zu offenen Rechnungen (ausgereift, skaliert).
  • Automatische Datenextraktion aus eingehendem ZUGFeRD oder XRechnung (ausgereift).
  • Automatische XRechnung-/ZUGFeRD-XML-Generierung beim Versand (ist technisch keine KI, sondern deterministisches Mapping, wird aber oft unter KI-Marketing gebündelt).

Häufig Marketing-lastig:

  • Chat-ähnliche "KI-Assistenten" in Buchhaltungs-Apps. Qualität schwankt stark, Transparenz gering, ersetzen selten einen konkreten Hilfe-Artikel oder ein Fünf-Minuten-Telefonat mit dem Steuerberater.

Deterministisch, aber nützlich:

  • Echtzeit-Steuerreserven-Berechnung (Kontist). Kein LLM, aber Substanz.

Die nützlichen KI-Features sind die leisen. Die marketingstarken sind die, die prominent als "KI" gelabelt werden.

Österreich und die Schweiz#

Deutschland ist der aktive Fall. Die zwei Nachbarn sind anders.

Österreich: Der Bund fordert E-Rechnung seit 2014 via ebInterface über das Unternehmensserviceportal. Eine generelle B2B-Pflicht gibt es in Österreich Stand April 2026 nicht. Der EU-ViDA-Rahmen erzwingt E-Rechnungen für innergemeinschaftliche B2B-Rechnungen ab 1. Juli 2030. Quellen: EY Österreich zur E-Rechnung, offizielle B2G-Plattform.

Schweiz: Die QR-Rechnung (Pflicht seit 30. September 2022) ist keine E-Rechnung nach EN 16931 — sondern ein Zahlungs-Referenzsystem. Die schweizerische Bundesverwaltung akzeptiert E-Rechnungen in EN-16931-Formaten, aber es gibt keine allgemeine B2B-Pflicht. Quelle: SIX Group zur QR-Rechnung.

Grenzüberschreitend im DACH-Raum: Die deutschen Ausstellungsregeln gelten nur für inländische B2B-Umsätze. Ein deutscher Freelancer, der einem österreichischen Kunden Rechnung stellt, fällt nicht unter die deutsche Pflicht, sollte aber darauf vorbereitet sein, dass der Kunde eine strukturierte Rechnung anfragt.

Typische Fallstricke#

PDF mit Briefkopf reicht für B2B ab 2028 nicht mehr. Der Empfänger kann Vorsteuerabzugsrechte verlieren, wenn er nach voller Pflicht nur ein PDF bekommt. Das ist der echte Durchsetzungsmechanismus, keine direkte Strafe.

Keine Bußgelder fürs Nichtausstellen — aber für Archivverstöße. Das Gesetz sieht keine spezifische monetäre Strafe für fehlende E-Rechnung vor. Archivverstöße nach §26a UStG können bis 5.000 Euro kosten. Die Haufe-Analyse zum Bußgeldrisiko und Kittl & Partner zur Bußgeld-Vermeidung legen das offen. Reale Durchsetzung via Betriebsprüfung wird ab 2028 erwartet, ist aber noch nicht verbreitet.

Keine elektronische Signatur nötig. Anders als früher: eine qualifizierte elektronische Signatur ist für EN-16931-E-Rechnungen nicht erforderlich.

GoBD-Aufbewahrung sind 8 Jahre, nicht 10. Seit 1. Januar 2025 hat das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV) die Frist für Rechnungen und Buchungsbelege von 10 auf 8 Jahre verkürzt. Die d.velop-Zusammenfassung zu Aufbewahrungsfristen deckt das ab. Jahresabschlüsse und Handelsbücher bleiben bei 10 Jahren. Die XML-Datei muss im Original archiviert werden, nicht nur die menschenlesbare Darstellung.

B2G ist nicht B2B. E-Rechnung an öffentliche Auftraggeber ist seit 27. November 2020 Pflicht. Das ist ein eigenes Regime, getrennt von der B2B-Pflicht, die 2025 startete. Freelancer, die nie an Bundesbehörden rechnen, treffen die B2B-Regel zum ersten Mal.

ZUGFeRD-Profil-Falle. Wie oben notiert: Die Profile MINIMUM und BASIC-WL erfüllen §14 UStG nicht. Einsteiger-Tarife mancher Tools nutzen diese Profile als Standard. Profil prüfen, bevor man Compliance annimmt.

Empfehlungen nach Profil#

Solo-Freelancer, unter 20 Rechnungen pro Monat: E-Mail-Postfach + Ultramarin Viewer für Empfang + DATEV E-Rechnungsplattform für strukturierten Empfang (kostenfrei). Für Ausstellung (falls nicht Kleinunternehmer): FastBill Solo für 9 EUR/Monat oder Lexware Office M für 12,90 EUR/Monat.

Kleinbetrieb, 20 bis 100 Rechnungen pro Monat: sevDesk Buchhaltung (9,95 EUR bei 24-Monats-Laufzeit) oder Lexware Office L (21,90 EUR). Beide beherrschen Versand und Empfang sauber. GetMyInvoices ergänzend, wenn viele SaaS-Abos in die Buchhaltung fließen.

KMU mit Steuerberater (DATEV): DATEV Unternehmen Online (11,28 EUR) + DATEV E-Rechnungsplattform ist preislich bis Mitte 2026 nicht zu schlagen und danach weiter sehr wettbewerbsfähig. Bei hohem Rechnungsvolumen: BuchhaltungsButler (ab 24,95 EUR).

Enterprise mit hohem Empfangsvolumen: Candis wird ab rund 100+ Eingangsrechnungen pro Monat sinnvoll.

Fazit#

Die Regel läuft. Die Ausstellungs-Seite staffelt sich noch bis 2028, aber die Empfangsfähigkeit ist seit 16 Monaten Pflicht. Für die meisten Solo-Freelancer in Deutschland ist das praktische Setup: E-Mail-Postfach, ein kostenloser Viewer wie Ultramarin, und entweder die kostenlose DATEV-Empfangsstufe oder ein 9- bis 13-EUR-Buchhaltungs-Tool für Ausgangsrechnungen.

Die KI-Features, die zählen, sind die unspektakulären: OCR-Belegerfassung, automatisches Matching, deterministische Steuerreserven-Berechnung. Die Chat-Assistenten sind im Marketing präsent und im praktischen Wert kaum.

Wer aktuell noch keine XRechnung empfangen kann, ist schon jetzt nicht compliant. Das ist der wichtigste Punkt, der diese Woche gefixt werden sollte.

Hinweis: Dieser Post zeichnet die Regeln nach. Deine spezifische Situation — Umsatz, Regime, Grenzüberschreitung, B2G-Exposition — gehört in ein Gespräch mit dem Steuerberater.

Quellen#

Alle verifiziert im April 2026.

Gesetze und amtliche Dokumente

Fachquellen

Tool-Dokumentation und Preise

Kostenlose Viewer und Validatoren

Österreich und Schweiz


Roland Hentschel

Roland Hentschel

AI & Web Technology Expert

Web developer and AI enthusiast helping businesses navigate the rapidly evolving landscape of AI tools. Testing and comparing tools so you don't have to.

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